© by Ani in 2010 Feedback Copyright Links    Impressum      Spendenkonto   Webmail Back to the Roots   Eine Bessarabienreise der etwas anderen Art     Der Flieger landete via Dortmund am frühen Nachmittag auf dem Flughafen Borispol nahe Kiew. Die leise Hoffnung, einen Frühlingstag mit Sonnenschein und milden Temperaturen anzutreffen, wurde schon auf der Gangway im Ordner „unerfüllte Wünsche“ abgelegt. Ein heftiger, eiskalter Wind mit starkem Schneegestöber erinnerte uns an unsere warmen Wintermäntel, die leider im heimischen Kleiderschrank geblieben waren.   Die Passkontrolle sollte die erste Hürde sein, die es zu überwinden galt. In vier langen Reihen standen die Mitreisenden in ihren warmen Wintermänteln im zugigen Abfertigungssaal und schoben sich im Schneckentempo langsam Richtung Schalter. Nach etwa einer halben Stunde, oder anders ausgedrückt, nach etwa zwei Metern Bodengewinn bemerkten wir, dass fast alle Schlangennachbarn ein weißes Zettelchen nebst ihrem Reisepass in den Händen hielten. Diese Zettel erweckten nicht nur unsere Neugier, sondern verursachten auch eine leichte Besorgnis. Nach unzähligen Rechercheversuchen klärte uns dann ein ukrainischer Geschäftsmann, der ein wenig radebrechend deutsch sprach, über die Bewandnis dieses geheimnisvollen weißen Blattes auf. Es müssen hier alle persönlichen Eintragungen in zweifacher Ausfertigung handschriftlich eingetragen und beim Einreisebeamten abgegeben werden. Fragen wie: Grund der Einreise, Bleibedauer, Reiseziel, Übernachtungsadresse und so weiter und so fort. Nach längerer Suche fanden wir irgendwo in der Halle ein Tischchen mit den Blankoformularen (natürlich in ukrainischer Sprache) und machten uns ans Ausfüllen. Da wir aber kein Übernachtungsdomizil im Vorfelde gebucht hatten, schrieben wir einfach "Hotel Kiew" in Odessa, im guten Glauben, dass der Abfertigungsbeamte nicht die Hotels in Odessa kennen würde, oder dass es in Odessa bestimmt ein Hotel mit dem Namen "Kiew" geben würde.   Nach einer weiteren Stunde erreichten wir das Ende der Schlange und der Beamte begann mit uns eine Konversation in russischer Sprache, die natürlich sehr einseitig ausfiel, da unser russischer Wortschatz nur aus „spassiba ,na darowje und dawai“ bestand. Er musste dann aber doch irgendwie Mitleid mit uns gehabt haben oder sein Schichtende war nahe, denn er sprach nach einigen Minuten das uns bekannte Wort „dawai“. Geschafft, die erste Klippe war überwunden und das Abenteuer konnte beginnen. Nachdem wir unser Gepäck wieder an uns gebracht hatten, standen wir unversehens in der Flughafenhalle, in der uns unzählige Menschen und ein unbeschreiblicher Lärm empfingen. Nach wenigen Schritten stürzten schon mehrere dunkel gekleidete, teilweise grimmig aussehende Männer auf uns zu, die uns unbedingt für ein „kleines“ Entgelt nach Kiew fahren wollten. Der Flughafen von Borispol ist ca. 30 Km von Kiew entfernt und wir mussten zum Bahnhof, um den Nachtreisezug nach Odessa zu bekommen. Das „kleine Entgelt“ beinhaltete eine Spanne zwischen 30 und 300 Dollar und wurde von den wildesten Geschichten untermalt, was alles passieren könnte, wenn man sich nicht gerade für ihr Taxi entscheiden würde. Dank unserer „Mit uns nicht“ Einstellung fanden wir nach längerer schneebegleitender Suche auf dem Vorplatz einen alten verrosteten Transitbus, der die Fahrt mit 25 Griwna (umgerechnet etwa 2,30 Euro) anbot. Auch die Mitreisenden erweckten den Eindruck, dass es wohl auch woanders nicht preiswerter zu bekommen wäre. Da auch urplötzlich das Interesse der mindestens 20 Taxifahrer erlahmte, die uns nach wie vor den Begleitschutz stellten, waren wir überzeugt, den optimalen Transfer nach Kiew gefunden zu haben. Die Fahrt dauerte etwa 1 Stunde und der Blick aus dem schmutzigem Fenster wurde fast ausschließlich von der Farbe Grau dominiert. Zerfallene Industrieanlagen, rostige Rohre, Berge von Unrat und das zu dieser Jahreszeit noch nicht vorhandene Grün erinnerte uns an eine endlose Fahrt über einen riesigen Schrottplatz. Endlich am Hauptbahnhof angekommen, bot sich uns nun ein erfreulicheres Bild. Früher war der Hauptbahnhof von Kiew ein richtiger Schandfleck, er wurde aber vor rund 5 Jahren komplett renoviert und ist nun wirklich sehr schön und ein wahres Schmuckstück. Der Bahnhof hat eine wunderschöne Eingangshalle im stalinistischen Zuckerbäckerstil. Die Personenzüge sind in der Ukraine extrem lang und wie in Russland in hellblau gehalten. Auch hat die Ukrainische Staatseisenbahn nicht die Europäische Spurweite, sondern die breitere Russische Schienenbreite.  Dies kommt noch von der Zarenzeit her, weil die Russen auf diese Weise einen möglichen europäischen Angriff auf Russland erschweren wollten. Leider mangelte es an der Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Bahnhofsbediensteten. Egal, ob an der Information oder an den Fahrkartenschaltern, es war unmöglich jemanden zu finden, der etwas deutsch oder englisch verstand oder verstehen wollte. Sowie man uns als nichtrussisch sprechende Ausländer identifizierte, behandelte man uns wie Luft und ging sofort auf andere „normale“ Kunden über. Erst als wir schriftlich unsere Wünsche zum Ausdruck brachten (Uhrzeit, Kiew-Odessa, 2 Personen und Kupe), bequemte man sich mit leicht angewidertem Gesichtsausdruck, die Fahrkarten auszustellen. Unser Zug sollte gegen 23:30 Uhr auf Gleis 17 abfahren und so hatten wir noch einige Stunden Zeit, Kiew für uns zu entdecken. Das Gepäck kam in die Aufbewahrung und ein Taxi brachte uns in die Innenstadt. Der Taxifahrer witterte ein gutes Geschäft und gab sich uns als bester Stadtführer Kiews zu erkennen. Zwar sprach auch er nur russisch, aber irgendwie klappte es mit der Kommunikation, die allerdings größtenteils aus Zeichensprache bestand. Er chauffierte uns durch das Regierungsviertel, erzählte uns von Tymoschenko und Juschtschenko, was wir natürlich allein schon von den Namen her verstanden und parkte dann vor Pechersk Lavra, was ihm wohl von allen Sehenswürdigkeiten Kiews am besten gefiel. Seine Einschätzung überzeugte nach wenigen Minuten und Ausblicken auch uns. Auf deutsch heißt Pechersk Lavra "Kiewer Höhlenkloster". Der riesige Klosterkomplex vereint beeindruckende Architektur mit tiefer orthodoxer Religiosität. Der Gang mit einer Kerze durch die stockdunklen Höhlengänge, in denen die einstigen Mönche des Klosters einbalsamiert und aufgebahrt sind, ist unglaublich beeindruckend und rührt sogar den größten Kulturbanausen an. Oberhalb der Erde kann man jahrhundertealte Kirchenarchitektur bestaunen, wunderbare Kirchenmalerei bewundern und die Atmosphäre eines weihrauchgeschwängerten orthodoxen Gottesdienstes in sich aufnehmen. Man braucht Tage, um alle Schätze dieses Klosterkomplexes zu entdecken. Darum werden wir das Höhlenkloster unbedingt wieder besuchen. Das Kloster liegt erhöht am Dnepr und ist von vielen Stellen von Kiew aus zu sehen und es gehört wohl zu den schönsten Sehenswürdigkeiten dieser Stadt. Danach zeigte uns unser Taxifremdenführer noch einige Kirchen und andere Monumentalbauten Kiews und verabschiedete uns dann vor dem Katakombeneingang dieser Riesenmetropole. Dort wurde ausgestellt, angepriesen, musiziert und gegaukelt. Es gab von verrosteten Nägeln über Erotikshops bis zu fast schon dekadenten Luxusboutiquen, gemütlichen Lokalitäten und Wodkaausschank auf Apfelsinenkisten alles zu sehen, was das Touristenherz begehrt. Unser Favorit war ein Urwaldlokal über mehrere Ebenen mit stilechten Bäumen und Lianen in beeindruckender Größe. Unter diesen Urwaldriesen waren gemütliche Tische aufgebaut und neben rauschenden Bächen und farbenfrohen Springbrunnen erklang eine zauberhafte Musik. Essen und Getränke waren hervorragend und für unsere Verhältnisse enorm preiswert. Gern wären wir länger geblieben, aber der Abfahrtstermin Richtung Odessa rückte bedrohlich näher. 10 Minuten vor planmäßiger Abfahrt des Nachtzuges waren wir noch immer die einzigen Odessareisewilligen, die auf dem Bahngleis warteten. In kurzen Abständen hörten wir Lautsprecherdurchsagen, deren einziges uns bekannte Wort Odessa enthielt. Langsam wurden wir nervös und zweifelten an der Richtigkeit unserer Abfahrtsinformation. Eine deutsch-russische Konversation mit zwei älteren Damen brachte uns dann die Erkenntnis, dass entweder der Zug ausgefallen war oder die Abfahrt auf ein anderes Gleis verlegt wurde. Wir also mit unserem schweren Reisegepäck zurück in die Bahnhofshalle und gehetzt zur Anzeigetafel. Tatsächlich war das Bahngleis für diese Reise auf ein anderes Gleis verlegt worden. Eine Minute vor der Abfahrt erreichten wir unseren Abteilwagen und stürzten gerade noch hinein, bevor der Zug auch schon losfuhr. Die Abteilschaffnerin brachte uns in unseren Schlafbereich, der aber bereits von anderen Gästen belegt war. Nach teilweise heftigen Diskussionen unter Mithilfe der sehr resoluten und korpulenten Zugbegleiterin eroberten wir unsere Betten zurück und ließen uns erschöpft und verschwitzt auf unsere Pritschen fallen. Der Waggon  beherbergte etwa 100 Personen und Schlafgelegenheiten gab es für ca. 60 Personen. Eine einzige Toilette mit Waschgelegenheit bildete das Zentrum der Begierde und man musste etwa 30 Minuten anstehen, um die total verschmutzte, hochwassergefährdete Erleichterungs- und Reinigungsörtlichkeit benutzen zu können. Ich erinnere mich noch an ein Gespräch mit einem reiseerfahrenen Ukraineurlauber, der mir ausdrücklich empfahl, im Schlafwagenzug unbedingt Kupe (4er Abteil) zu buchen, da sonst die Annehmlichkeiten katastrophal wären. Welch weiser Rat. Unsere beiden Abteilnachbarn schnarchten um die Wette und wir lernten, dass Knoblauch in der Ukraine eine sehr populäre Gemüsesorte ist. Gegen 8:30 Uhr lief unser „Komfortzug“ in Odessa ein und auch der Himmel hatte seine Schneeschleusen endlich geschlossen. Als Perle des Schwarzen Meeres wird Odessa bezeichnet. Mit ihren mehr als 200 Jahren und rund einer Million Einwohnern ist diese Stadt eine verhältnismäßig junge und von ihrer Größe her überschaubar. Es ist auch eine Stadt der Gegensätze. Man trifft von bettelarm auf steinreich, Ortsteile, die schmutzig, verfallen und grau sind und Straßen, in denen sich Boutiquen und Luxusgeschäfte in Hülle und Fülle aneinanderreihen. Elegante, nach dem neuesten Modeschrei gekleidete Frauen neben zerlumpten, ausgemergelten Gestalten. Luxuskarossen aller Couleur neben Pferde- und Eselfuhrwerken und alten nur noch von Rost zusammengehaltenen Fahrzeugen, die man in Deutschland sofort aus dem Verkehr ziehen würde. Edle Gourmetrestaurants neben Straßenständen, die Backwerk und andere Köstlichkeiten anbieten. Ein Spaziergang durch Odessa ist eine wahre Sinnesweide und man weiß nicht, wohin man seinen Blick und seine Nase zuerst wenden soll. Durch das Internet hatten wir Kontakt zu einem Odessiten, der Mitinhaber mehrerer kleinerer Lokale in Odessa ist. Maxim beherrscht die deutsche Sprache recht gut, da er mehrere Jahre in Frankfurt am Main gearbeitet hatte. Er vermittelte uns nahe des Zentrums eine große möblierte Wohnung zu einem für unsere Verhältnisse sehr günstigen Preis und so konnten wir in Ruhe Odessa für uns erobern. Innerhalb der Stadt voranzukommen, ist absolut unproblematisch. Es gibt sehr viele Busse in verschiedenen Größen und auch ein Straßenbahnnetz. Wenn man aber bequemer und gezielter fahren möchte, stellt man sich einfach zu jeder Tag- oder Nachtstunde an die Straße und hält seine Hand hoch. Im Bruchteil einer Sekunde hält ein Auto und gibt vor, ein Taxi zu sein. Man handelt kurz den Fahrpreis aus, was auch ohne Sprachkenntnisse sehr problemlos funktioniert. Für umgerechnet zwei Euro wird man an jedes Ziel dieser Stadt chauffiert. Die Busse und Bahnen kosten natürlich nur einen Bruchteil dieses Betrages. Die drei Tage unseres Odessaaufenthalts vergingen wie im Fluge. Alle Eindrücke und Erlebnisse dieser Exkursion niederzuschreiben, würde den Rahmen dieses Reiseberichts sprengen. Jedenfalls war es absolut interessant und kurzweilig und wir können nur jedem zukünftigen Besucher Odessas empfehlen, sich mindestens auch diese Zeit zu nehmen. Ganz sicher wird dies nicht unser letzter Besuch in dieser aufregenden Stadt gewesen sein. Durch einen Besuch im Bayerischen Haus in Odessa, deren Geschäftsführer uns sehr freundlich empfing, vermittelte uns eine freundliche Mitarbeiterin dieses Hauses einen jungen ukrainischen Studenten, der in diesem Hause die deutsche Sprache erlernt und auch schon im Jugendaustausch Deutschland kennengelernt hat. Er holte uns am nächsten Morgen mit seinem alten Lada von unserer Wohnung ab und stand uns dann mehrere Tage zur Verfügung. Sergejs Elternhaus steht in Tarutino und so war es für beide Seiten natürlich eine glückliche Fügung, da wir ebenfalls diesen Ort auf unserer Wunschliste hatten und er seit längerer Abwesenheit mal wieder seine Eltern besuchen konnte. Unser erstes Ziel war Akkerman, dem heutigen Belgorod-Dnestrowsky am Liman. Über die schlechten Straßenverhältnisse in der Ukraine ist sicherlich schon sehr viel geschrieben worden. Die Realität zeigte uns aber, dass auch der negativste Bericht noch untertrieben war. Die Straßen haben jedenfalls den Vorteil, dass sie jeden Fahrer vor dem Einschlafen am Steuer abhalten, denn zumindest ein Achsenbruch wäre die unvermeidliche Folge. Teilweise quadratmetergroße, 10 cm tiefe Löcher in der Fahrbahn verlangen einem absolute Konzentration ab. Richtig abenteuerlich wird es nachts oder bei Regen- oder Schneewetter. Je weiter wir uns von Odessa entfernten, desto desaströser wurden die Verhältnisse. Sergej erwies sich aber als olympiatauglicher Slalomspezialist und so erreichten wir gegen Mittag wohlbehalten Akkerman. Die Fahrt dahin war geprägt von kilometerlangen Weinanbauflächen und herrlichen Ausblicken auf den Liman. Ein großer Markt in der Innenstadt von Weißstadt (so bezeichnete unser Fahrer Akkerman) fesselte unsere Aufmerksamkeit und gab uns einen ersten Einblick vom geschäftigen Leben dieser durchaus sehenswerten Stadt. Das große Angebot von heimischen Obst- und Gemüsesorten, Textilständen, Rundfunk- und HiFi- Zubehör, Haushaltsgeräten und Blumenauslagen begeisterte uns mit seinen vielfältigen Gerüchen und einer für uns fremd anmutenden Geräuschkulisse. Unser nächstes Ziel war die riesige, direkt am Liman gelegene alte Festung, deren Entstehung bis ins 6. Jahrhundert vor Chr. zurückzuführen ist. Die riesige Anlage mit ihren Burgfesten beeindruckte mit ihrer außergewöhnlichen Lage am Wasser und ihren Wandelgängen, Treppen aus großen Steinquadern und Türmen, die den Blick aus dem Innenraum auf den inzwischen azurblauen Himmel gestatteten. Nach einer halbstündigen Stadtbesichtigung und einer Weinverkostung ging die Autofahrt weiter zu unserem eigentlichen Tagesziel: Sangerowka in der Nähe von Tuzla am Liman gelegen. Die Urgroßmutter meiner Reisegefährtin Ani stammt aus Sangerowka, einem Dorf, das damals 29 Höfe zählte und vor der Umsiedlung 372 Einwohner hatte. Heute heißt der Ort Novo Michailowka und in dem Teil des Dorfes, an dem damals Sangerowka stand, gibt es nur noch 2 Häuser. Hinter diesen Häusern, wo heute nur noch Felder und Wiesen sind, schauen aber noch unzählige Ruinen der alten deutschen Höfe aus dem hohen Gras. Wir lernten die ukrainischen Bewohner des letzten Hauses am Ortsende kennen und sie baten uns in ihre nach unseren Maßstäben gesehenen recht bescheidenen Räumlichkeiten. Die Frau bereitete uns einen Imbiss aus geräuchtem Speck, hausgebackenem Brot, eingelegten Tomaten und Paprika und selbst gefangenen kleinen Fischchen. Wir steuerten eine große Flasche Rotwein (Isabella) dazu und ließen es uns gemeinsam schmecken. Inmitten von Feldern, Wiesen und Ruinen liegt ein ca. 5000 qm kleines Wäldchen mit knochigen, irreal anmutenden Bäumen. Unsere Gastgeber erklärten uns, dass hier der alte deutsche Friedhof war. Nie hat man versucht dieses Stück zu roden um neue Felder oder Weideland zu erschließen. Die umliegenden Anwohner betrachten diesen Bereich als unantastbare Ruhestätte der ehemaligen Bewohner und damit als heiligen Ort. Es ist zwar kein Grabstein oder Kreuz mehr zu sehen, aber es strahlt eine seltsame, kaum zu beschreibende Ruhe und Unberührbarkeit aus. Man spricht automatisch leise und scheut sich, seinen Fuß auf diese mystisch anmutende Insel zu setzen. Nie hatten wir Ähnliches erlebt und empfunden. Die Ruinen der alten deutschen Häuser erlaubten den Blick auf die ehemalige Bauweise unserer Vorfahren. Mauern aus Lehm mit Stroh versetzt, teilweise bis 40 cm dick, ließen die Größe der alten Häuser erahnen und beflügelten unsere Fantasie, wie hier vor noch nicht einmal 70 Jahren reges Familien- und Dorfleben stattfand. Anis Urgroßmutter Leontine, die heute in Rathenow bei bester Gesundheit gerade 88 geworden ist, hatte hier ihre Jugend und Kindheit verbracht. Sie selbst war inzwischen ganz schweigsam und melancholisch tief in sich gekehrt und rieb sich manche Träne verstohlen aus den Augen. Nun waren wir in Bessarabien angekommen, getreu unserem Motto: „Zurück zu den Wurzeln“. Werner Schabert und Ani Teubner << zurück zur Auswahl