Feedback Copyright Links    Impressum      Spendenkonto   Webmail Eine Woche in Bessarabien, dem Land meiner Vorfahren Zunächst einige kurze Informationen zu unserer Reise, um die Zusammenhänge der Geschichte der deutschen Siedler in Bessarabien wenn auch hinlänglich bekannt noch einmal in Erinnerung zu rufen. Das Gebiet Bessarabien liegt am Schwarzen Meer zwischen den Flüssen Pruth und Dnjestr, westlich der Stadt Odessa. Anfang des 19. Jahrhunderts, siedelten sich dort nach dem Ruf des Zaren Alexander I. u. a. auch Schwaben in großer Zahl an, zu denen auch meine Vorfahren zählten. Die Zuwanderung erfolgte auf verschiedenen Wegen und auch andere Volksgruppen folgten der Aufforderung Alexander des Ersten. Die dort von den deutschen Siedlern zunächst gegründeten Orte, so genannte Mutterkolonien, trugen Namen von den zumeist ruhmreichen Schlachten Russlands gegen Napoleon. Der Ort meiner Vorfahren wurde 1821 gegründet und hieß Katzbach, benannt nach einem Fluss in Schlesien, dort wo Napoleon beim Überschreiten des Wasserlaufes eine empfindliche Niederlage hinnehmen musste. Nach 119 Jahren endete die Besiedlung Katzbachs in Bessarabien. Im Jahre 1940 fand die  Umsiedlung der gesamten deutschen Bevölkerung aus Bessarabien in einem beispiellosen logistischen Kraftakt statt. Katzbach und weitere, vornehmlich rein deutsche Orte, suchten wir während unserer einwöchigen Reise vom 02.09.2009 – 09.09.2009  in der Ukraine auf. Das ehemalige Bessarabien gibt es in den heutigen Grenzen nicht mehr. Der nördliche Teil befindet sich in der Republik Moldawien, der südliche Teil, welcher am stärksten von den deutschen Kolonisten besiedelt wurde, liegt nun in der Ukraine.   Zu der Reise nach Bessarabien konnte ich nach langen Vorgesprächen endlich meine Mutter bewegen, die 1933 in Katzbach geboren und getauft worden ist. Des Weiteren begleitete uns eine Freundin meiner Mutter, die ebenfalls in Hankensbüttel-Emmen, einem kleinen Dorf in der Lüneburger Heide, wohnt und in Katzbach ihre ersten Lebensjahre verbrachte.                                      Mittwoch, 02.09.2009  Von Hannover flogen wir zunächst mit einer kleinen Propellermaschine nach Prag. Dort kamen die anderen Fluggäste aus Berlin, Stuttgart, Hamburg und Düsseldorf hinzu. Nach einem kurzen Aufenthalt von 50 Minuten ging es mit einem Airbus Richtung Odessa, wo wir um 14:30 Uhr Ortszeit ankamen. Zwei Busse erwarteten uns vor dem Flughafengebäude, die uns zusammen mit ca. 75 Mitreisenden entlang des Schwarzen Meeres über den Liman, einer vorgelagerten Bucht, nach Sergejewka bringen sollten. Sergejewka ist ein in sowjetischer Zeit errichteter Kurort, ohne jeglichen Charme, aber direkt am Schwarzen Meer gelegen. Es war schon ein Gefühl zwischen spannender Erwartung und unausgesprochener Neugier darauf, was uns letztendlich erwarten würde. Nach einer 1,5 stündigen Busfahrt waren wir am ersten Etappenziel, dem Hotel „Haus Liman“ in Sergejewka angekommen.  Leider hatten wir unsere Zimmer in dem ältesten Bauwerk des mehrere Gebäude umfassenden Hotels, aber für ukrainische Verhältnisse war es sicherlich von gehobenem Standard. Am Abend nahmen wir ein gemeinsames Essen im Restaurant ein, in dem im Anschluss die Einteilung für die am Morgen darauf stattfindenden Fahrten in die Heimatdörfer vorgenommen wurde. Wir wollten natürlich in das Dorf Katzbach, dort wo meine Mutter geboren wurde und der Ort, von dem ich mir aus vielen Erzählungen, hauptsächlich von meiner verstorbenen Großmutter und meiner Mutter, ein Bild gemacht hatte. Donnerstag, 03.09.2009 Es sollte der Tag der Reise für uns werden, welcher uns am nachhaltigsten beeindruckte. Für die Fahrten waren einzelne Privatfahrzeuge bereitgestellt, unser Weg sollte in das ca. 130 Kilometer entfernte Katzbach, jetzt ukrainisch mit dem Namen Lushanka, führen. Mit unserem Fahrer, Anatoli, einem studierten Technikingenieur aus der ehemaligen Kreisstadt Akkermann, entwickelte sich trotz „anfänglicher“ Sprachschwierigkeiten nach wenigen Kilometern auf der sehr bescheidenen Straßenoberfläche ein reges Gespräch. An diesem Gespräch beteiligten sich auch die Fondpassagiere gelegentlich, bei denen es sich um meine Ehefrau Karin, meine Mutter Herta Derwenskus, geb. Stock, und der Freundin und „Schwipscousine“ meiner Mutter, Valeria (Wally) Herz, geb. Knopp, handelte. Es erstaunte uns, als wir zusammen mit Anatoli feststellten, wie viele alte bessarabisch/schwäbische Begriffe von der russischen bzw. ukrainischen Sprache von den deutschen Siedlern seinerzeit übernommen worden waren. Mittlerweile hatten wir die 60.000 Einwohnerstadt Akkerman hinter uns gelassen und unsere Fahrt holperte zum größten Teil über schlechte, gleitete eher selten über recht gute Straßenabschnitte nach Westen, in das Herz der deutschen Besiedlung Bessarabiens. Wir fuhren durch die seinerzeit deutsch geprägten Orte Sarata, Gnadental, Arzis, vorbei an Teplitz und Alt Elft immer in Richtung Tarutino. In der Ortschaft Paris, kurz vor Krasna und Tarutino verließen wir die relativ breit ausgebaute Hauptstraße und fuhren auf einem unbefestigten Weg in das völlig abseits gelegene Katzbach. Der Feldweg war sehr abenteuerlich und wir hatten Glück, dass herrliches Sonnenwetter herrschte und keinerlei Regen in Sicht war, ich glaube, wir hätten ansonsten erhebliche Schwierigkeiten gehabt auf diesem Weg überhaupt in das Dorf zu gelangen. Selbst der Fahrer Anatoli war zuvor noch nicht in Katzbach gewesen, obwohl er bereits seit 10 Jahren diese Fahrten durchführt. In diese abgelegene Ortschaft kamen sehr selten fremde Menschen und er erzählte uns später, dass er mit gemischten Gefühlen die Fahrt angetreten hatte.  Als wir nach ca. 7 Kilometern auf dem Feldweg über eine Anhöhe kamen, lag Katzbach in einer lang gezogenen Senke vor uns. Es war ein wirklich schöner, freier Anblick auf ein Dorf, welches keinen friedlicheren Eindruck auf uns hätte erwecken können. Die einzigen Fahrzeuge, die ich von dort oben erblickte, waren ein alter Personenbus und ein Pferdegespann, die nebeneinander eine der beiden parallel verlaufenden Dorfstraßen befuhren. Wir kamen vom südlichen Ende Katzbachs in das Dorf, das so genannte Unterdorf, welches zum größten Teil leider nicht mehr vorhanden ist. Kurz nach der Umsiedlung der Bewohner Katzbachs im Jahre 1940 in das damalige Deutsche Reich, gab es ein Erdbeben von dem das Unterdorf sehr in Mitleidenschaft gezogen wurde. In diesem Dorfteil stehen heute nur noch vereinzelt Häuser und leider existiert dort auch der Bauernhof meines Großvaters und weiterer Vorfahren nicht mehr. Im Verlauf des Tages sollte uns der von mir vielfältig kopierte alte Dorfplan wertvolle Hilfe leisten. Vom vorhandenen Südende des Dorfes angefangen ging die Spurensuche los. Aber ach herrje, wie sah es in den Straßen aus. Von den schönen Erzählungen meiner Großmutter über die sauber gefegten und jedes Jahr im Frühling neu geweißten Grundstücksmauern, sowie den von hohen Akazienbäumen eingerahmten Dorfstraßen, war kaum etwas vorhanden. Vielmehr sah man sehr viele zusammengefallene und trostlose Hofstellen. Man gut, dass wir grundsätzlich darauf vorbereitet waren, aber wenn es einem so direkt vor Augen geführt wird, ist die Bestürzung doch sehr groß. Besonders bei meiner Mutter fiel mir im Verlaufe des Tages die tiefe Ergriffenheit auf, die von der Trauer über den Verfall des einst so schönen Dorfes und der Freude darüber dies alles noch einmal sehen zu dürfen, anscheinend alle Bereiche ihrer menschlichen Seele berührte. Wir fanden den besonderen Stolz der deutschen Kolonisten, die erst 1894 eingeweihte  evangelische Kirche, in einem erbarmungswürdigen Zustand. Der Turm war nicht mehr vorhanden und die Fenster und das Dach machten den Eindruck, dass sie nicht mehr lange den Witterungen standhalten werden, wenn nicht umgehend wenigstens die notdürftigsten Reparaturen beginnen.In Katzbach gab es nur diese eine Kirche, alle ständigen Bewohner waren deutscher Herkunft und gehörten dem evangelisch lutherischen Glauben an. Nun hatten wir das Glück, dass auf einmal eine Frau an der Kirche auftauchte, die uns auf russisch oder ukrainisch „erklärte“, dass sie den Schlüssel holen würde, wenn wir uns die Kirche ansehen wollten. Das bedurfte natürlich keinerlei Frage und kurz darauf erschien sie tatsächlich und wir gingen in das Gotteshaus, in dem meine Mutter 1933 getauft worden war. Mir war bereits bekannt, dass die Kirche zu sowjetischen Zeiten zweckentfremdet genutzt wurde. U.a. als Getreidespeicher und „Kulturhaus“. Als wir durch die Türen schritten musste ich daran denken, wie viele tief gläubige deutsche Menschen, darunter auch meine Großeltern, auf den alten, noch aus dieser Zeit vorhandenen Dielen ins Innere vor uns den Weg gegangen waren. Die Kirche ist heute völlig ausgeräumt, dort wo früher die Kanzel und der Altar gestanden haben müssen, konnte man eine Art Theaterbühne erkennen. Einzig an den Längsseiten des Kirchenschiffes standen noch zwei Einrichtungsgegenstände aus deutscher Zeit, es waren zwei große, eiserne Öfen, die den Kirchenbesuchern zur Erwärmung dienten. Über dem Eingang zeigte sich die Empore mit der hölzernen Balustrade, in deren Mitte die Orgel platziert gewesen sein muss. Die freundliche „Kirchenwächterin“ ließ uns über eine alte, sehr steile Holztreppe und durch eine folgende hölzerne Luke auch dort hinauf und wir konnten uns den fast leeren Kirchenraum von oben betrachten. Neben dem ehemaligen Gotteshaus steht noch die alte Schule, in der sich nun ein archaisch anmutender Einkaufsladen befindet.Unsere „Kirchenöffnerin“ gab uns über Anatoli zu verstehen, ob wir bei ihr Weintrauben, Schafkäse und noch weitere Dinge essen wollten. Dies geschah von ihr keineswegs aufdringlich oder auf kommerzielle Art und wie sich in den nächsten zwei Stunden herausstellen sollte, war Tatjana eine sehr bescheidene, zurückhaltende Frau. Sie beschrieb uns sogleich den Weg zu ihrem aus deutscher Zeit stammenden Wohnhaus, vor dem  wir sie in ca. 1 Stunde wieder treffen sollten.Derweil kauften wir in der alten Schule etwas zu trinken und wieder gingen die Gedanken zurück, insbesondere zu meinen Großeltern, die in damals noch russischer Zeit (von 1821 bis 1918) in den Räumen die Schulbank gedrückt hatten. Von der alten Schule führt immer noch ein kleiner Fußpfad über die Aliaga, den Bach, der das ehemals ca. 4 Kilometer lange Dorf durchfließt und die beiden parallel voneinander verlaufenden Dorfstraßen trennt. Wally erzählte, dass ihre noch lebende 94jährige Mutter ihr immer wieder berichtete, wie sie diesen Weg zur Kirche oder zum Einkaufen benutzte. Natürlich wurde dieser Pfad auch von uns begangen. Der alte Einkaufsladen (Lafke) ist nicht mehr vorhanden, jedenfalls haben wir ihn nicht mehr ausfindig machen können. Neben der Schule befand sich die Hofstelle meines Großonkels Gotthilf Stock, das Grundstück war leicht aufzufinden, dort ist mittlerweile ein „neues“ Haus erbaut worden. Augenscheinlich soll es sich dabei wohl um eine Art Gaststätte oder Bar handeln, welche leider geschlossen war. Die Hofstelle des seinerzeit in unmittelbarer Nähe wohnenden weiteren Großonkels Jakob Stock, konnte von mir nicht einwandfrei lokalisiert werden. Von den Hofstellen seitens der Vorfahren meiner Großmutter Christine Stock, geb. Groß, konnte ich keine Grundstücke mehr bestimmen, die meisten davon befanden sich im Unterdorf. Nun war aber die Zeit herangerückt zu Tatjana zu gehen, wir hatten uns schon viel zu lang vertrödelt. Es war ja aber auch viel zu spannend und aufrührend, das erste Mal in dem Land der Vorväter zu sein. Das Haus von Tatjana im Oberdorf, nahe der Kreuzung nach Krasna, welche allerdings lediglich aus sich kreuzenden Feldwegen besteht, war jetzt leicht zu finden, denn Anatoli hatte seinen PKW davor abgestellt und er wartete vor dem Hause  auf uns. Tatjana kam von ihrem kleinen, ehemals deutschen Kolonistenhof, und bat uns zu sich herein. Im kleinen Hof war unzähliges Federvieh jeglicher Art, das dort frei herumlief. Tatjana ging barfuss vor uns her und wir kamen in ihr Wohnzimmer, in dem sich der kleine Tisch unter den dort bereit gestellten Speisen förmlich bog. Was war dort alles von ihr aufgetischt worden. Tomaten und Gurken, Maultaschen, Weißbrot, säuerlicher Schmand, Weintrauben, Schafkäse Spiegeleier usw.. Im Wohnzimmer war es angenehm kühl. Dies war ein Umstand der sehr dicken, wahrscheinlich noch aus so genannten „Batzen“ gefertigten Hauswänden. Es entwickelte sich mit Hilfe unseres „Dolmetschers“ Anatoli eine Unterhaltung von außergewöhnlicher Herzlichkeit und keiner konnte sich der von dieser armen Frau ausgehenden, unverfälschten Gastfreundschaft entziehen. Die 55jährige Tatjana lebt in diesem immer mehr verlassenen und sterbenden Dorf auf ihrem Hof und bewirtschaftet ihn völlig allein. Sie hat einen 23 jährigen Sohn, der aber in der Stadt Akkermann auf einer Baustelle arbeitet. Nachdem sie 41 Jahre auf einer Kolchose gearbeitet hatte bekommt sie zum Dank dafür nun eine äußerst geringe Rente, die allein nicht zum Überleben reicht. Tatjana ist Bulgarin und kam nach dem Krieg aus einem bulgarischen Dorf der Ukraine mit ihren Eltern auf diese Hofstelle. Wir konnten von ihr erfahren, dass Katzbach zurzeit 200 Einwohner hat. Wenn man sich vorstellt, dass vor der Umsiedlung dort über 1000 deutschstämmige Menschen in einem blühenden Dorf gewohnt haben, versteht man, dass ein stetiger Niedergang eingesetzt hat. Nachdem wir so gut gegessen und getrunken hatten, den Sekt und das Mineralwasser hatten wir zuvor in dem Laden an der Kirche (Alte Schule) gekauft, ging es auf den Friedhof. Dazu mussten wir nun in die andere Dorfstraße überwechseln. Direkt an der Ecke zum Friedhof befand sich laut Lageplan das Wohnhaus mit Kaufladen des Vaters von Wally, Andreas Knopp. Tatsächlich, genau an der Stelle stand noch eine Hofstelle mit darauf befindlichem Wohnhaus. Leider konnte sich Wally nicht mehr an das Äußere des Hauses erinnern, sie war zur Zeit der Umsiedlung erst vier Jahre alt. Auf dem Friedhof ging dann die Sucherei los. Waren überhaupt noch Spuren vorhanden? Unter jeder Menge Unkraut (Burjan) und dornigem Gestrüpp spürten wir noch eine Vielzahl, zum größten Teil umgestürzter oder umgeworfener Grabsteine auf. Leider waren bei der größten Anzahl die Inschriften nicht mehr lesbar oder sie lagen mit den Personenbeschriftungen nach unten auf der Erde. Einige waren dennoch erkennbar und von den Vorfahren der Familien Knopp konnte noch ein großer Grabstein aufgefunden werden, sowie ein Grabstein einer Vorfahrin meiner Großmutter, die sogar den gleichen Namen trug. Es war schon erstaunlich, wie viele Spuren der deutschen Ortsgründer und deren Nachfahren noch nach 69 Jahren aufzufinden waren.Es ging aber noch weiter, nun die zweite Dorfstraße von Norden nach Süden entlang. Die stolz mit der Giebelfront zur Straße zeigenden Häuser waren zum größten Teil unverkennbar aus deutscher Zeit, einige wenige waren in verhältnismäßig gutem Zustand, der größte Teil aber auch hier ziemlich verwahrlost. Zwischen den einzelnen Hofstellen immer wieder zusammengefallene Gebäude und zum Teil nur noch erkennbare Grundmauern. Doch halt, was war das auf einmal für ein komischer großer Stein, den ich dahinschlendernd neben der Straße entdeckte? Tatsächlich, es handelte sich um einen der seinerzeit nur in Bessarabien verwendeten Dreschsteine. Diese großen Steine hatten eine Zylinderform, an deren Längsseiten tiefe Rillen/Einkerbungen vorhanden waren. In Längsrichtung durch den Stein war ein langes rundes Eisen geführt. An den herausstehenden Seiten des Eisens wurde ein Holzgestell angebracht, das zur Befestigung des Pferdegeschirres diente. Der Dreschstein wurde immer im Kreis von den Pferden über das auf der Tenne im Hof ausgebreitete Getreide gezogen und die Rillen des Steines trieben die Körner aus den Ähren. Wie oft dieser Dreschstein in zurückliegender Zeit wohl in die Runde gezogen worden war, nun lag er neben der Straße und hatte keinerlei Nutzen mehr. Später fanden wir noch zwei weitere Dreschsteine vor einem Hofgrundstück, die dort anscheinend zur „Verschönerung“ des Gesamtbildes platziert worden waren. Ich hätte noch stundenlang durch das Dorf  gehen können, aber aus Rücksicht meiner doch ziemlich „erschlagenen“ Mutter, meiner Ehefrau Karin und Wally, die mich vom Friedhof her mittlerweile mit Anatoli und seinem Taxi fahrender weise begleiteten, und der fortgeschrittenen Zeit mussten wir von Katzbach Abschied nehmen. Es sei noch angemerkt, dass Katzbach/Lushanka nach Auskunft von Tatjana über keinen Fernsehanschluss und kein Mobilfunknetz verfügt. Glücklicherweise gibt es eine neue Schule mit einigen dort aufgestellten Sportgeräten und einem kleinen Fußballplatz. Vielleicht ist dies ein kleiner Hoffnungsschimmer, dass der Verfall des Dorfes doch nicht so schnell voranschreitet. Mit einem unerhört guten Gefühl, trotz der Trostlosigkeit die ich gesehen hatte, verließ ich den Ort, in welchem meine Vorfahren mütterlicherseits ihr gesamtes Leben vorwiegend nur mit harter, körperlicher Arbeit verbracht hatten. Endlich hatte ich diesen Ort mit eigenen Augen gesehen und eine Art Ruhelosigkeit, die ich diesbezüglich immer verspürte, ist hoffentlich von mir abgefallen.             Freitag, 04.09.2009 Heute war ein Tag der Erholung angesagt. Nach einem wiederum ausgiebigen Frühstück beschlossen wir mit einem Boot zur Landzunge zu fahren, die den Liman, also der vorgelagerten Bucht, vom Schwarzen Meer trennt. Es handelt sich dabei lediglich um eine Strecke von ca. 300 Metern.Das Boot war zwar nicht Vertrauen erweckend, brachte uns aber dennoch sicher ans Ziel. Es begrüßte uns ein herrlicher Sandstrand und wir flanierten denselben entlang. Nach der Einnahme einer Erfrischung, deren Bestellung ein lustiges Sprachkauderwelsch vorausgegangen war, fuhren meine Mutter und Wally wieder mit dem Boot zurück. Karin und ich gingen zu Fuß auf der langen Brücke, die über den Liman nach Sergejewka führt. Ein kurzes Bad und Sonnenbaden am Pool bildeten den Abschluss des Tages. Sonnabend, 05.09.2009 Ein langer, anstrengender Tag lag vor uns. Früh wurde mit dem Bus aufgebrochen zu einer Rundfahrt durch einige Dörfer des Besiedlungsgebietes der ehemals deutschbessarabischen Orte. Zunächst rollten die zwei Omnibusse die bereits bekannte Strecke über Akkermann, Sarata, Gnadental und Arzis gen Westen. Hinter Arzis verließen wir die Hauptstraße um nach Teplitz zu gelangen. Teplitz war seinerzeit hauptsächlich durch seine sehr guten Stellmacher sogar weit über Bessarabien hinaus bekannt. Wer etwas auf sich hielt, ließ seinen Ackerwagen oder seine Kutsche (Britschke) in Teplitz fertigen. Sogar der russische Zar bestellte für seine Armee Wagen aus diesem Dorf. Angeblich konnten die bessarabischen Bauern ihre in Teplitz hergestellten Erntewagen (Harbiewagen) am Laufgeräusch, dem so genannten „Singen“, erkennen. Leider ist die in der Mitte des Dorfes früher befindliche Kirche nach dem Krieg in einer Silvesternacht abgebrannt. Somit erfüllte sich tatsächlich, was zuvor ein Pastor in seiner Predigt sagte: Er prophezeite damals, dass die Kirche verbrennen sollte, wenn sie nicht mehr den Menschen als Gotteshaus dienen würde. Die Fahrt führte uns danach in das vielleicht 8 Kilometer entfernte Neu- Elft. Ein Dorf, dessen Anblick noch fast vollständig dem Klischee eines deutschen Ortes aus Bessarabien entspricht. Es sind noch fast die gesamten Grundstücksmauern und die deutschen Kolonistenhäuser erhalten und in relativ gutem Zustand. Ich weiß aus Erzählungen, dass dieses Dorf häufig von meinen Großeltern zusammen mit meiner Mutter aufgesucht wurde. Handelte es sich bei Neu Elft doch um ein 9 Kilometer entferntes Nachbardorf von Katzbach. In Neu Elft wohnten zudem Verwandte, die regelmäßig besucht worden sind. Über Alt Elft und Paris nahmen wir den Weg nach Friedenstal unter die Räder. Der Ort befindet sich 7 Kilometer nördlich von Arzis. In Friedenstal hat Herr Dr. h. c. Edwin Kelm auf dem Wirtschaftshof seines Großvaters ein kleines bessarabiendeutsches Museum errichtet. Die Gebäude befinden sich alle in einem vorbildlichen Zustand und zeigen den Besuchern, wie ein ehemaliger bessarabischer Bauernhof gestaltet war. Vor der so genannten Sommerküche war ein langer Tisch gedeckt, auf dem die köstlichsten bessarabischen Speisen serviert wurden. Darunter auch der nicht wegzudenkende Eintopf (Borscht) und ein vorzüglicher Rotwein, der reichlich genossen wurde. Es wurde „geschwätzt“, gegessen und getrunken, die Zunge löste sich im Verlauf des Nachmittags immer mehr. Es war ein sehr herzliches und fröhliches Beisammensein. Meine Mutter stellte fest, dass ihr gegenüber eine Frau saß, die mit ihrer Familie aus Kanada angereist war und sich im gleichen Alter befand. Auch sie hatte nach der Umsiedlung exakt den gleichen Weg zurückgelegt. Sie war nach der Flucht aus Westpreussen allerdings nach Kanada ausgewandert. Friedenstal feierte 2009 sein 175 jähriges Bestehen und der Bürgermeister des Ortes, der Landrat, sowie weitere Vertreter der Ukraine waren anwesend, die neben Herrn Kelm Ansprachen hielten. Eine Folkloregruppe sang Lieder, auch in deutscher Sprache, und manch ein Reiseteilnehmer bestieg am Spätnachmittag in „ausgelassener Stimmung“ den Omnibus. Im Hinblick auf die bereits vergangene Zeit konnte die Ortschaft Lichtental, nördlich von Sarata, zu meinem Leidwesen nur sehr kurz besucht werden.Mittelpunkt ist und war schon immer die sehr imposante Backsteinkirche. Seit 1941 ist es leider nur noch eine Ruine, in ihren Ausmaßen aber immer noch beeindruckend und gut erhalten. Die Kirche wurde 1941 von der sich zurückziehenden Roten Armee angezündet und ist seit dem in ihrem Zustand unverändert geblieben. Ich finde gerade deshalb verdient sie größte Aufmerksamkeit, wurde sie doch nicht wie fast alle anderen Gotteshäuser, später von den Sowjets entwidmet.Ich wäre gern noch etwas durch den Ort gegangen, denn die Mutter eines liebenswerten Kollegen von mir ist dort geboren. Sie ist bereits über achtzig Jahre alt und ich hätte ihr gern einige Fotoaufnahmen mitgebracht. Aber was nicht ist, kann ja noch werden! Auf derselben Straße zurück ging es nach Sarata in die dortige Kirche. Ein kleiner Gottesdienst wurde abgehalten, wir sangen einige Lieder in einem Kirchenraum mit herrlicher Akustik und kamen völlig erschöpft und mit vielen neuen Eindrücken wieder zurück ins Hotel. Sonntag, 06.09.2009 Nach einem erholsamen Schlaf ging es gleich weiter in die ehemalige bessarabische Kreisstadt Akkermann. Es regnete in Strömen, aber für die Menschen und die Natur in der südlichen Ukraine ist jeder Tropfen Regen ein Segen. Also nahmen wir es mit Gleichmut hin, hatte sich doch herumgesprochen, dass bei uns in Norddeutschland zur gleichen Zeit das Wetter noch viel ungemütlicher und zudem kalt war. Schließlich war es hier der erste Tag, ohne Sonnenschein.    Akkermann ist alles andere als eine schöne Stadt, erst Recht bei regnerischem Wetter. Die Gebäude haben keinerlei Farbanstrich und wirken trist und öde. Eigentlich wollten wir auf den Markt und uns dem bunten Treiben anschließen. In Anbetracht des Wetters suchten wir das Heimatmuseum auf, in welchem auch ein Raum  an die deutsche Vergangenheit in Bessarabien erinnert. Nach dem bis zu diesem Zeitpunkt etwas enttäuschenden Tag, bekam ich erst während des Abendessens mit, dass im Anschluss ein Folkloreabend stattfinden sollte. Dieser sollte wegen des schlechten Wetters in einer „Kulturhalle“ unweit unseres Hotels stattfinden. Na ja Ulli, dachte ich mir, lohnt es sich dort hinzugehen ? Schließlich rang ich mich, auch auf Betreiben meiner weiblichen Begleitung, doch dazu durch und dies sollte nicht die schlechteste Entscheidung gewesen sein. Was wir zu sehen bekamen, war eine Folkloregruppe aus Akkermann, die bereits eine Vielzahl von internationalen Titeln „abgeräumt“ hat. Kurzum, es war phantastisch, was uns dort geboten wurde. In den Pausen, während sich die Tänzer für ihren nächsten Auftritt umzogen, sangen fünf junge Männer mehrere Lieder. Sie sangen acapella auf ukrainisch mit wunderschönen  Stimmen. Der Abschluss des Tages war also doch noch sehr gelungen und wir redeten während des Rückweges zum Hotel voller Hochachtung von den Künstlern. Montag, 07.09.2009  Am heutigen Tage hatte Wally Geburtstag und ich hatte vorgeschlagen, an diesem Tage in den Geburtsort von ihr, nach Tarutino, zu fahren und hatte wieder unseren Fahrer Anatoli dazu bestellt. Also ab ging es erneut in westliche Richtung über die Straße, die wir in dieser Richtung schon zwei Mal befahren hatten. Als wir Paris erreichten, wohlgemerkt Paris in Bessarabien, wäre ich am liebsten noch einmal nach Katzbach abgebogen, aber meine weiblichen Reiseteilnehmer waren entschieden dagegen. Die Fahrt folgte also weiter der Hauptstraße und wir erreichten über Krasna den ehemaligen Marktflecken Tarutino. Wally wurde irgendwo in einer Wohnung am Marktplatz von Tarutino geboren. Ihr Vater war dort seinerzeit bei einem Kaufmann angestellt, bevor er zurück nach Katzbach ging. Am Marktplatz stehen heute keine deutschen Häuser mehr, eine deutsche Kirche ist nicht mehr vorhanden und die Stadt wirkt ziemlich trostlos in ihrem postsozialistischen Grau. Es war gerade Markt und wir trödelten in den Verkaufsgassen herum. Es ist schon erstaunlich, wie sich die osteuropäischen Märkte präsentieren, es gibt wirklich alles zu kaufen, was man bei uns in einem Supermarkt unterbringen würde. Nachdem unser Spaziergang im „Stadtkern“ Tarutinos beendet war, suchten wir unser Taxi wieder auf. Anatoli war beim Fahrzeug geblieben, da er befürchtete, es könnte „Zappzerapp“ gestohlen werden. Die unmittelbare Nähe zur moldawischen Grenze behagte ihm nicht, denn seiner Meinung nach sei sein schöner PKW möglicherweise ruckzuck auf nimmer Wiedersehen über die Grenze gebracht. Anatoli erinnerte sich von einer früheren Fahrt nach Tarutino an eine alte deutsche Frau, die irgendwo an der Hauptstraße wohnen sollte. Nach einigem Suchen fand er sie tatsächlich. Sie begrüßte uns überschwänglich in feinstem Hochdeutsch, im Verlauf des Tages stellte sich aber heraus, dass sie ebenso gut „schwäbeln“ konnte. Sie bat uns in ihre kleine Wohnung in einem Mehrfamilienhaus, welches nicht nur von außen einen ziemlich erbärmlichen Eindruck machte. Eigentlich wollten wir ihr gar nicht folgen, aber sie erklärte immer wieder, dass sie keine deutschen Gäste auf der Straße stehen lassen werde. Die nette alte Dame erzählte uns, nachdem im Wohnzimmer für jeden eine Sitzgelegenheit gefunden war, dass sie nach dem II. Weltkrieg in der Ukraine geblieben sei. Sie sei in Klöstitz, einem deutschen Ort in der Nähe Tarutinos, geboren. Sie heiße Cäcilie und ihr Geburtsname sei Schaible gewesen. Sie lebe hier mit einer Rente von umgerechnet 60 Euro allein und sei ihres Wissens die einzige deutsche Person, die noch in Tarutino lebe. Ihr Alter bezifferte Cäcilie auf 84 Jahre und sie muss in zurückliegender Zeit einmal eine schöne Frau gewesen sein. Spuren dieser Schönheit sind auch heute noch zu erkennen und   ihr Sprachschatz zeugte von nicht geringer Intelligenz. Mittlerweile war der vorhandene kleine Tisch mit den Inhalten unserer mitbekommenen Lunchpakete gedeckt. Anatoli hatte zudem noch Brot, Wein und Wurst aus einem Geschäft geholt und Cäcilie steuerte eine Melone (Harbuse) und etwas Schafkäse bei. Die Melone war köstlich und wir waren uns einig, dass wir bisher in keinem deutschen Supermarkt diese Qualität bekommen hatten. Nach der herzlichen Verabschiedung suchten wir noch kurz den Friedhof auf, auf dem sich zugewuchert noch eine Vielzahl deutscher Grabsteine befindet. Vom Friedhof hatten wir zudem einen guten Blick über den ehemaligen Marktflecken Tarutino. Auf der Rückfahrt kamen wir wieder durch das ehemals rein katholische Dorf Krasna, welches sich nur elf Kilometer südlich von Tarutino befindet.Aus diesem Ort waren meine evangelisch-lutherischen Vorfahren großväterlicherseits nach einigen Jahren ihrer Ansiedlung im Jahre 1824/25 aus Glaubensgründen in das kurz zuvor (1821) gegründete Katzbach übergesiedelt. Im Ortskern von Krasna konnten wir keinerlei für uns erkennbare alte deutsche Gebäude mehr ausfindig machen. Lediglich ein dort aufgestellter Gedenkstein erinnert an die Besiedlung durch deutsche Kolonisten. Für mich war nach dem Kurzbesuch in Neu-Elft klar, diesem Ort noch einmal einen Besuch abzustatten. Dies wurde nun in die Tat umgesetzt. Meine Mitreisenden stöhnten zwar schon wegen meines Ansinnens, ich konnte mich aber schließlich durchsetzen und ließ mich am Anfang des schönen Ortes absetzen, dort wo früher der Fahrweg vom 9 Kilometer entfernten Katzbach einmündete. Eine Vereinbarung wurde getroffen, dass wir uns an der Kirche in der Mitte von Neu-Elft später treffen wollten. Mit Fotoapparat bewaffnet schlenderte ich die sehr breite, mit mächtigen Akazienbäumen bestandene Dorfstraße hinunter. Links und rechts begrüßten mich die vollständig erhaltenen, schön gestrichenen Grundstücksmauern mit den Bänken davor. Auf den Bänken saßen, wie zu deutscher Zeit, die Menschen zwischen den frei herumlaufenden Gänse- und Entenscharen. Ab und zu graste ein eingeschirrtes Pferd mit dem kleinen Wägelchen zwischen dem auf jeder Seite verlaufenden kleinen Graben und den Hofstellen. Manch ein Hofhund räkelte sich wohlig in der gleißenden Sonne oder döste vor sich hin.Das Dorf machte einen für ukrainische Verhältnisse sehr sauberen Eindruck und ich konnte mir gut vorstellen, wie hier vor fast siebzig Jahren, die letzten deutschen Siedler gelebt hatten. Der Anblick von Neu-Elft zeigt auch heute noch ein typisch bessarabiendeutsches Dorf.Die Kirche in der Mitte des Ortes ist von außen offensichtlich restauriert worden. Die daneben befindliche alte deutsche Schule macht den Eindruck, als ob sie tatsächlich noch so vorhanden ist, wie sie seinerzeit verlassen wurde. Über die gute Straße in Richtung Alt-Elft bzw. Teplitz verließen wir Neu- Elft wieder in Richtung Sergejewka. Eigentlich wollte ich noch einmal die Ortschaft Lichtental aufsuchen, dieses Anliegen konnte ich aber nicht mehr durchsetzen und auf Grund der fortgeschrittenen Zeit verwendete ich darauf auch keinerlei große Energie mehr. Dienstag, 08.09.2009  Heute ging es noch einmal, allerdings bei herrlichem Sonnenschein, nach Akkermann in die ehemalige Kreisstadt. Jetzt sah die Stadt schon wesentlich angenehmer aus und die grauen, trostlosen Gebäude hatten etwas von ihrem abweisenden Charakter verloren. Wir besuchten in Akkermann eine mit deutschen Finanzmitteln unterstützte Kirche, hörten dort einen schönen Chor und die Predigt des ukrainischen, sehr sympathisch wirkenden Pastors, wurde für uns ins Deutsche übersetzt. Wir holten anschließend den ins Wasser gefallenen Marktbesuch vom Sonntag nach. Zunächst mischten wir uns unter die unzähligen Menschen, ein quirliges Gewusel umgab uns und man musste aufpassen, in dem Gewirr der Marktgassen nicht verloren zu gehen. Es gab wirklich alles zu kaufen und für unseren Geldbeutel waren die angebotenen Waren sehr preisgünstig. Mich faszinieren auf diesen Märkten immer wieder die Gemüse- und Fischhändler, die ihre frische Ware vor sich ausgebreitet haben. Die hygienischen Verhältnisse gäben bei uns sicher Grund zur Beanstandung. Die Fische lagen nebeneinander in langen Reihen auf sehr einfachen Tischen und wurden mit einfachsten Mitteln vor den Augen der Käufer zerlegt. Ein unangenehmer, aufdringlicher Fischgeruch lag über dem ganzen Szenario und verstärkte den unappetitlichen aber doch sehr interessanten Anblick noch wesentlich. Anschließend konnten wir uns davon überzeugen, dass Akkermann eine sehr alte Stadt ist. Uns wurde erklärt, dass sie zu den zehn ältesten Städten der Welt zählt. Vor der imposanten Festung, direkt am Liman gelegen, beschäftigen sich Archäologen mit den dortigen Ausgrabungen. Am Nachmittag hielten wir uns kurz in der von Schweizer und Deutschen Kolonisten im Jahre 1822 gegründeten Ortschaft Schabo, unweit von Akkermann auf. Es war seinerzeit ein weit über seine Grenzen hinaus bekannter Weinort. Die Ansiedler hatten im Verlauf der Jahre ihr Wissen um die Rebe sehr gut umgesetzt und diesbezüglich ein hohes Ansehen erlangt. Auch heutzutage ist Schabo wieder ein viel beachteter Weinort, ein Unternehmer aus Georgien hat in ein großes Weingut investiert und riesige Weingärten wurden von ihm bestellt. In einem westlichen Maßstab gerecht werdendes Verkaufsgebäude erstand ich eine Flasche Wein und Karin war froh, dass ich wegen der begrenzten Transportmöglichkeiten meiner  Leidenschaft nicht weiter frönen konnte.  Mittwoch, 09.09.2009  In der Früh klingelte der Handywecker, die Koffer wurden gepackt, das letzte Frühstück eingenommen und die Fahrt nach Odessa angetreten. Bevor es zum Flughafen ging, wurde noch die Millionenstadt Odessa mit ihrem wirklich zum Teil schön restaurierten Altstadtkern besichtigt. Wir beschritten die durch den russischen Spielfilm „Panzerkreuzer Potemkin“ berühmte Potemkinsche Brücke zum Hafen und auch dass von österreichischen Architekten pompös gestaltete Opernhaus hinterließ einen bleibenden Eindruck. In der mit vielen Bäumen gesäumten Uferstraße hätten wir noch länger verweilen können, aber die Zeit des Rückfluges war viel zu schnell herangekommen. Gegen Abend landeten wir nach einer bewegenden und äußerst interessanten Studienreise ins Land meiner Vorfahren wieder in Hannover-Langenhagen. Für mich steht fest, dass dies nicht der letzte Besuch im ehemaligen Bessarabien gewesen ist. Ulrich Derwenskus © by Ani in 2010 << zurück zur Auswahl