© by Ani in 2010 Feedback Copyright Links    Impressum      Spendenkonto   Webmail „[…] ins Herz schloss ich dich ein“  Im März des vergangenen Jahres stand ich inmitten eines Ackers tiefschwarzer Erde und  schmeckte das Salz des nahe gelegenen Schwarzen Meeres.  Umgeben von einer Vielzahl von Lehmruinen schloss ich meine Augen und hörte plötzlich das  Holpern der Wagenräder, die vor 70 Jahren das letzte Mal die Dorfstraße dieses beinahe  vergessenen Fleckchens namens Sangerowka in der heutigen Südukraine passierten. Ich  stellte mir das Läuten der Dorfkirche vor und das aufgeregte, temperamentvolle Geschwätz der Bewohner, die dieses Dorf ihre Heimat nannten. Zu wissen, dass ein kleines Mädchen unter eben diesen Bewohnern meine Urgroßmutter war  und diese ihr zu Zuhause in einem der jetzigen Lehmtrümmern hatte, erfüllte mein Herz mit  unzähligen Emotionen.  Meine Füße berührten den Boden ihrer Herkunft und ich fühlte das Wurzelwerk, das mich mit  ihm verband. Dieses Gefühl der Verbundenheit war beinahe stärker als  jenes, das ich noch heute gelegentlich, jedoch mit viel  Genuss, wahrnehme.  Etwa die Gerüche, die ich aus meiner Kindheit kenne oder die  Andersartigkeit der Sprache um mich herum; kannte ich sie doch nur aus dem Siedlerhaus  meiner Urgroßeltern, das inmitten des Havellandes in einem 400-Seelen-Dorf stand und für  mich an beinahe jedem denkbaren Wochenende das Wohlgefühl eines Zuhauses und die  dazugehörige Geborgenheit bereit hielt. Nicht noch einmal habe ich mich an einem anderen Ort, der bessarabischer nicht hätte sein können, so sehr heimisch gefühlt wie in jenen Jahren. Mir war nie bewusst, was das Schicksal meiner Urgroßeltern beinhaltete und dass ich  dieses Erbe neben 250.000 anderen Deutschen heute teile, wie sehr ich diese  mitgebrachte Kultur erlebt habe und dass ich Traditionen und Esskulturen erleben durfte,  die in unseren Breiten keine üblichen sind. Es erfüllt mich mit Stolz, meine Wurzeln in einem mir bislang völlig fremden Land gefühlt zu  haben und mich ebenso fremden Menschen, egal welcher Altersklasse, verbunden fühle,  weil es genügt, an verschiedenen Orten einander zu begegnen und unter all derer eine zu sein, die den Faden hält und ihn  gern um Längen erweitern möchte. Auch wenn ich, durchschnittlich gesehen, ein sehr junges Bindeglied bin, sehe ich mich als Teil dieser Landsmannschaft. Meine Ahnen ließen sich neben unzähligen anderen hier in Ostdeutschland nieder und die öffentliche Pflege ihrer  Gemeinschaft wurde nicht gern gesehen, ja sogar untersagt. Dieser Wunsch schlief unter den hier ansässigen Bessarabern  zwar scheinbar notgedrungen ein, ist aber keinesfalls erloschen, wie die erste Zusammenkunft im Herbst 2009 in Stechow  zeigte. Für die Fortsetzung derartiger Veranstaltungen und ein Anlaufpunkt für all jene zu bieten, setze ich mich ein. Es sind nicht nur die unzähligen Schicksale, die ich erfahren durfte, nicht meine bloße Herkunft mit allen unvergleichlichen  Gefühlen und Erinnerungen, die mich mit ihr verbinden, sondern auch die Menschen, die heute in Bessarabien zum Teil hinter  den deutschen Fassaden ihr Zuhause gefunden haben und auch jene Deutsche, denen ich diese emotionale Begegnung mit  ihren Wurzeln so sehr wünsche und ermöglichen möchte…